Hey ihr Lieben, heute stelle ich euch ein Projekt von Selina Künneke vor, welches im Rahmen der Großen Praxis Fotografie entstanden ist.

Die Wohnung von Selina befindet sich hoch oben im 5. Stock, es ist eine Dachgeschosswohnung. Von ihrem Badezimmerfenster aus hat sie eine weite Aussicht und kann über Häuser und Straßen hinwegschauen. Aber der erste und zentrale Blick ist dann doch die Ampel an der Hauptstraße. Sie befindet sich genau Gegenüber ihres Badezimmerfensters. Neben ihr noch eine Bushaltestelle und dahinter ein Treffpunkt, meistens für Alkoholiker und sozial Schwache, die dort ihre Freizeit verbringen. Ihr Bier besorgen sie sich am Kiosk direkt nebenan. Also fotografierte Selina diesen Ort von oben, als stiller Beobachter.
Es wurde schnell klar, dass Sie sich auf die Ampel fokussieren möchte. Die Ampel ist ein neutraler Punkt, zunächst ohne Wertung. Man verbindet nichts mit ihr, außer das sichere Überqueren einer Straße. Also eigentlich nichts Interessantes. Doch was macht eine Ampel am Ende doch interessant und zum Fokus einer Fotoserie?
Es sind die verschiedenen Menschen die die Wartezeit spannender werden lassen. Wie sie stehen, manche ungeduldig, sie starren die gegenüberliegende Ampel an und warten auf grün. Andere gucken auf ihr Smartphone, sie können keine 30 Sekunden still stehen und einfach warten. Viele rauchen, die Ampel ist ein kurzer Stop, eine kleine Pause. Wieder andere stehen nicht alleine dort, sie sind in Begleitung von Freunden, von Familie oder Arbeitskollegen. Es findet ein Austausch verschiedenster Emotionen statt, man unterhält sich oder man wartet still aber gemeinsam. Selbst wenn Personen sich nicht kennen, interagieren sich doch irgendwie gemeinsam, sie geben sich Raum, jeder darf für sich stehen. Manche gucken sich gegenseitig an, sie begutachten sich und denken sich vielleicht ihren Teil.
An dieser Ampel entstehen Konstellationen verschiedenster Gruppen. Kinder, Rentner, Familien, Freunde, Fußgänger, Fahrradfahrer, sozial schwache Leute, Alkoholkranke, der Otto Normalverbraucher und die Liselotte von nebenan. Sie alle stehen dort und tun das gleiche, sie warten. Jeder von Ihnen steht dort und wartet auf das grüne flimmern der Ampel. Obwohl sie alle unterschiedlich sind, stecken sie in diesen Sekunden alle in der gleichen Situation.
Am Ende entstand ein Fotobuch mit je zwei Fotos pro Doppelseite. Auf diesen Doppelseiten finden sich sehr häufig Paarungen die zusammen passen, weil sie zum Beispiel eine ähnliche Haltung einnehmen. Dieser Aspekt bringt noch einmal einen anderen Kontext in das Projekt, aber seht selbst.

Frau K wünscht euch noch einen schönen Sonntag!

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