Nina Neugebauer hat in ihrem 5. Semester der Visuellen Kommunikation, im Rahmen der Großen Praxis Typografie bei Frau Prof. Ulrike Stoltz, einen Kalender mit und über die Schriftklasse »Klassizistische Antiqua« für das Jahr 2018, mit wöchentlich wechselnden Seiten, gestaltet. Dabei sind verschiedene analoge und digitale Arbeiten entstanden, welche jeweils immer einen Buchstaben des Alphabets zeigen.

Susanne Schmetz aus dem 7. Semester Kunstwissenschaft hat Nina Neugebauer zu ihrem Projekt interviewt:

Wie bist du auf die Idee gekommen?

Mein letztes Projekt, bei dem ich die Europahymne »Ode an die Freude« auf Postkarten und als Leporello gedruckt habe, habe ich in der Schrift »Bodoni« gesetzt, eine der bekanntesten Klassizistischen Antiqua Schriften. Um die Eigenschaften und Details dieser Schriftklasse aufzuzeigen, wollte ich alle Buchstaben in Form eines Heftes/Buches vereinen. Somit hätte ich 26 Seiten, also 52 Doppelseiten gehabt. Bei der Zahl 52 ist mir aufgefallen, dass dies die Anzahl der Wochen in einem Jahr ist. Dadurch bin ich auf einen Kalender gekommen.

Wie bist du bei der Gestaltung vorgegangen?

Zunächst wurden Schriften ausgewählt, die ich verwenden wollte. Anschließend habe ich eine Liste erstellt, wie ich die Buchstaben ausschreiben wollte. Dann widmete ich mich zuerst den Großbuchstaben, da mir diese leichter erschienen. Im Anschluss daran folgten die Kleinbuchstaben, wobei ich gut die Darstellungen kontrollieren konnte, sodass die Abbildungen sich nicht zu sehr ähnelten und eine gute Abwechslung zwischen analogen und digitalen Arbeiten entstehen konnte.
Bei den analogen Arbeiten habe ich versucht so viele verschiedene Methoden wie möglich zu verwenden: Neben dem guten alten Kartoffeldruck gibt es z.B. Arbeiten aus Jeans, Rhabarberblättern, Sand, Kerzenwachs, Wolle usw. Vieles ist auch mit Linoldruck, Tusche, Fineliner, Kugelschreiber und Acryl entstanden. Bei den digitalen Arbeiten habe ich unter anderem viel mit Wiederholungen, Größenunterschieden und Verformungen gearbeitet.

Du hast auf deinen Kalenderseiten die Buchstaben so geschrieben, wie man sie ausspricht. Warum hast du dich nicht nur auf den einzelnen Buchstaben begrenzt?

Ein Buchstabe pro Seite empfand ich als zu wenig und zu langweilig. Beim Brainstorming kam mir zwischendurch auch die Idee, das Phonetische Alphabet zu benutzen, aber dann hätten mir manche Buchstaben gefehlt. Zum Beispiel wäre das »C« zu einem »Tse« geworden und wäre selbst somit nicht mehr vorgekommen. Außerdem eröffneten mir mehrere Buchstaben ein größeres Spektrum an Darstellungsmöglichkeiten.

Gab es Schwierigkeiten?

Oh ja… Zum Beispiel müsste der Titel korrekterweise eigentlich »Vorklassizistische & Klassizistische Antiqua« heißen, denn bei der Schriftauswahl habe ich mich an einen Ordner des Hochschulcomputers gehalten, in den sich Schriften der Barockantiqua eingeschlichen hatten. Diese sind der anderen sehr ähnlich, sodass sie auch »Vorklassizistische Antiqua« genannt wird. Der Unterschied zwischen den beiden sind vor allem die abgerundeten Serifen, während bei der Klassizistischen Antiqua die Serifen waagrecht angesetzt sind und eckig abschließen. Aber daraus habe ich gelernt und werde so etwas in Zukunft besser prüfen. Schwierig wurde es auch beim Einscannen, vor allem bei zerbrechlichen, flüssigen oder sehr kleinteiligen Arbeiten.

Für wen ist dieser Kalender gemacht?

Auf jeden Fall für alle, die Spaß und Interesse an Typografie haben!
Aber zum Beispiel auch für alle, die ein Jahr auf Landschafts-, Blumen- und Tierbilder an der Wand verzichten wollen. (lacht) Außerdem gibt es für Geschichtsinteressierte neben den Informationen über die Schriftklasse auch viele Informationen über den Klassizismus auf den Rückseiten.

Würdest du in Zukunft wieder einen Kalender gestalten?

Definitiv. Ich freue mich schon, meine Projektarbeit das ganze kommende Jahr benutzen zu können, statt dass es in einer Sammelmappe landet. Ich kann mir gut vorstellen, auch für andere Schriftklassen Kalender zu gestalten. Vielleicht auch mal nur analoge oder nur digitale Arbeiten. Aber dann würde ich mehr Zeit als zwei Monate einplanen.

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