Semesterprojekt von Cäcilie Fabritius in der Großen Praxis Typografie bei Prof. Ulrike Stoltz

»Mein Verhältnis zu Zahlen war seit Anfang meiner Schulzeit ein besonderes. Buchstaben und Zahlen kamen für mich, obwohl ich damals von ihrer sehr verschiedenen Herkunft noch nichts wusste, sozusagen von zwei unterschiedlichen Planeten. Buchstaben kann man auf verschiedenste  Art und Weisen aneinander reihen und so entstehen Wörter und Sätze.  Zahlen hingegen kann man beispielsweise addieren und es entsteht eine völlig neue Zahl. Für mich hatten sie immer etwas Magisches. Viele Menschen haben eine Glückszahl, Freitag der 13. soll ein Unglückstag sein, 666 ist die Zahl des Biestes oder weiter verbreitet die des Teufels.
In der Schule wurden Zahlen für mich langsam zu etwas Bösem, mit dem ich in einem ständigen Kampf war, bis festgestellt wurde, dass ich unter Dyskalkulie, einer Mathe-Schwäche, leide. Ich konnte, wenn auch mit mehr Arbeit, den Stoff im Unterricht immer nachvollziehen, doch das, was sich für andere logisch darlegte, war für mich immer kompliziert und mit vielen Umwegen verbunden.
Nachdem ich mit fachlicher Hilfe gegen meine Mathe-Schwäche gearbeitet hatte, war meine Angst vor den Zahlen verflogen und konnte so wieder der Faszination Platz machen.

In den ersten beiden Semestern in der Visuellen Kommunikation an der HBK malten wir etliche Bilder, experimentierten mit Collagetechniken und Videoanimationen. Unbewusst kam in meinen Arbeiten immer wieder die Fünf vor, worauf mich meine KommilitonInnen bald hinwiesen.

Als ich dann ein Thema für meine Semesterarbeit suchte und mich zu diesem Zeitpunkt mit Geheimcodes beschäftigte (ich las das Buch »Geheime Botschaften« von Simon Singh und einen Roman von Dan Brown, der sich, wie zu erwarten, mit Verschlüsselungen, Verschwörungstheorien und Geheimgesellschaften auseinandersetzt), kam im Plenum die Idee auf, mich (doch endlich mal) mit der Zahl Fünf zu befassen.

Jetzt konnte die Recherche beginnen. In der Bibliothek fand ich, dem Hinweis von Prof. Ulrike Stoltz folgend, das »Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens« von Hanns Bächtold-Stäubli mit seinen 10 ausführlichen Bänden. Hier stöberte ich einige Tage unter Themenbereichen wie »Fünf«, »Drudenfuß«, oder auch »Magie« und »Teufel«. Diese Recherche nutzte ich als Grundlage meiner Internetrecherche, da ich mir vorgenommen hatte, möglichst nicht selber Texte zu schreiben, sondern Online-Artikel (letztendlich viel Wikipedia) zu zitieren.

Am Anfang der Vorlesungsfreien Zeit stieß ich bei einem Besuch im Londoner British Museum zufällig auf Teile von John Dees Equipment, einem englischen Mathematiker, Astronom, Astrologe, Geograph und Mystiker aus dem 16. Jahrhundert, welcher der schwarzen Magie und Zauberei bezichtigt wurde. In der Ausstellung selbst fand ich nicht sonderlich viele Informationen über dieses Thema. Im Museumsshop, der immer einen Besuch wert ist, stieß ich jedoch auf das kürzlich erschienene Buch »Occult, Witchcraft & Magic« von Christopher Dell. Dieses Buch half mir vor allem dabei, die Ergebnisse meiner Online-Recherche zu bestätigen. Außerdem nutzte ich für ein Plakat das Buch »Fixierte Gedanken: Eine Kurzgeschichte der Schrift, des Alphabets, der Zahlen und Ziffern« von Veruschka Götz.

Für meine Semesterarbeit wollte ich fünf Themenbereiche finden, in denen die Zahl Fünf eine bedeutende Rolle spielt:
– Pentagramm
– Fünf-Elemente-Lehre
– Entwicklung der Schrift (der Fünf)
– Pentagon (+ kleine Fakten)
– Alben (Musik CDs) mit dem Titel 5

Als Inspiration für die Form, in die ich meine Arbeit bringen wollte, diente mir ein Flohmarktfund: Geschäftsbriefe des Leiters eines Münchner Künstler Verbandes, die sorgfältig zweimal gefaltet und dann mit Hilfe eins Stricks zu einer Art Paket verschnürt wurden. Etwas Ähnliches kann man häufig in Form von gebündelten Zeitungen, vor Haustüren oder auf den Bänken von Bushaltestellen finden.
Diese Art, Papier so einfach wie möglich zusammen zu schnüren und zu einem dreidimensionalen, haptisch interessanten Objekt zu machen, sprach mir zu, sodass ich mir vornahm eine Sammlung von Faltplakaten zu gestalten.

Welches Format sollte ich wählen? Erste Ideen bezogen sich darauf, die Kantenlängen, oder den Durchmesser des Papiers irgendwie auf die Zahl Fünf zu beziehen. 5 – zu klein, 50 – zu groß… teilbar durch 5? Zu weit hergeholt und kompliziert…
Ich blickte zurück auf meine Inspiration, die gebündelten Briefe, und entschied mich A3 Plakate zu gestalten, die nach dem Falten A5 sein würden.
So teilte ich also jedes Plakat in vier A5 Seiten, an welchen ich mich orientieren konnte. Inspiriert vom Projekt »Risolution«, das einige KommilitonInnen der Großen Praxis Illustration während des letzten Rundgangs auf die Beine stellten (jeden Tag ein neues, mit dem Risographen gedrucktes Heft), hatte ich Lust, meine Plakate auf mit dem Risographen zu drucken. Diese schnelle und einfache Art, einfarbig zu drucken, passte formal gut zu der Idee Papiere schnell zu verschnüren.«

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